Nachhaltigkeit,  Ökologie,  Politik

Errichtet Uni Bonn erste Fahrradzone im Land NRW?

Klimaschutz am Campus Poppelsdorf

Die Klimaschutzdebatte spielt seit den letzten Jahren auch an der Universität Bonn eine immer größere Rolle. Um den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren, wurde eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt, allerdings mit unzureichendem Erfolg. Eine Lösung bietet nun die Novelle der Straßenverkehrsordnung, mit der Möglichkeit eine Fahrradzone einzurichten.

Valeska Decker

Noch ist es nicht so weit. Aber die Rufe nach weniger Autos besonders in kleinen, schmalen Straßen, wie der Nußallee in Bonn-
Poppelsdorf werden lauter. Entlang dieser Straße liegen verschiedene Institute der Universität Bonn, unter anderem die der Fachdisziplinen Biologie, Geologie, Landwirtschaft und Physik. Vor allem Studierende sind hier unterwegs und zwar größtenteils mit dem Fahrrad. Es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen Rad- und Autofahrer*innen. Die Geschwindigkeit ist dabei schon auf 30 km/h begrenzt, allerdings ist die Straße schmal und sie verläuft durch angrenzende Bäume unregelmäßig. Einige schlecht einsehbare Stichstraßen, an denen ‚rechts-vor-links‘ gilt, führen immer wieder zu heiklen Situationen.

Sinnvolle Parkgebühren?

Der Autoverkehr besteht sowohl aus Durchgangs- wie auch Anliegerverkehr, denn viele Institutsmitarbeiter*innen fahren obwohl es aufgrund der Klimadebatte schon fast verpönt ist mit dem Auto zur Arbeit. Um die Verkehrssituation zu entlasten, hat die Universität 2015 beschlossen, mit einer sogenannten Parkraumbewirtschaftung „den motorisierten Individualverkehr auf Flächen der Universität zu reduzieren“ (https://www.uni-bonn.de/einrichtungen/universitaetsverwaltung/organisationsplan/dezernat-4/parkraumbewirtschaftung). Der Ansatz war gut, bei der Preisgestaltung hat die Universität aber nicht bedacht, dass Angestellte der Uni so viel verdienen, dass die Ausgaben von 18 Euro Monatspreis für das Parken nicht so sehr im Geldbeutel auffallen. Es wurde somit leider das Ziel verfehlt, das Parken direkt neben den Uni-Gebäuden unattraktiv zu machen. Die ausgewiesenen Parkplätze hinter der Geologie sind jedenfalls immer belegt. Für 18 Euro kann man dreimal mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit und nach Hause kommen, also noch nicht einmal eine Arbeitswoche lang.

Stärkung von Fahrrad und ÖPNV

Um den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren, müssten verschiedene Ansätze greifen. Ein Jobticket sollte preiswerter im Angebot und letztlich auf jeden Fall günstiger als das Parkticket auf dem Uni-Gelände sein. Außerdem sollte die Fahrradmitnahme mit einem Jobticket in den Bahnen ganztägig erlaubt sein. Das könnte einigen Fahrradfahrer*innen helfen, sich auch bei unsicherem Wetter morgens für das Rad zu entscheiden. Man bleibt flexibel und kann im Laufe des Tages überlegen, ob man den Heimweg mit dem Rad oder mit Bus und Bahn antritt. Das Parkticket muss hingegen deutlich teurer werden und zwar um ein Vielfaches des jetzigen Preises. Denkbar ist, dass die Parkplätze entlang der Nußalle gänzlich wegfallen und die Straße für den motorisierten Individualverkehr gesperrt wird. Nur Fahrräder in der Nußallee, das wäre wunderbar.

Der motorisierte Individualverkehr hat sich hier im Laufe der Zeit immer mehr verdichtet. Im angrenzenden, neu angelegten Campus Poppelsdorf hat die Universität dem motorisierten Verkehr von Anfang an einen Riegel vorgeschoben. Befahren des Campusgeländes ist nur mit dem Fahrrad erlaubt. Und das funktioniert dort natürlich, weil Universitätsangehörige es dort nicht anders kennen. Und es funktioniert auch, weil etwas außerhalb entlang der
BAB 565 großräumig Parkflächen angelegt wurden. Man kann also bei ungünstigen Verkehrsanbindungen trotzdem noch mit dem Auto kommen. Das Auto steht dann nicht direkt vor dem Büro und verstopft keine engen Gassen.

Autofreie Zone zwischen Universitätsgebäuden

Was würde nun passieren, wenn die Universitätsverwaltung diese autofreie Zone einfach in die umliegenden schmalen Seitenstraßen ausweitet? Mit Einführung der neuen Straßenverkehrsordnung (StVO), gültig ab dem
28. April 2020, wäre das nämlich möglich (https://www.adfc.de/artikel/stvo-novelle-in-kraft-getreten/). Die StVO soll nun besonders den schwächeren Verkehrsteilnehmern mehr Rechte und Schutz einräumen. Eine Neuerung der StVO ist die Möglichkeit eine Fahrradzone einzurichten. Die Universität Bonn könnte in Absprache mit Politik und Verwaltung der Stadt Bonn mit dieser Zone den gesamten Umkreis um den Uni-Campus Poppelsdorf  autofrei gestalten und auch am Randes des Campus die Straßenzüge enorm aufwerten. Eingeschlossen werden sollten: die Carl-Troll-Straße ab dem LIMES-Institut, der Katzenburgweg, die Nußallee, der Sobotta Weg und die Wegeler Straße. An Letztere angrenzend ist außerdem das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, dessen Schüler würden von einer autofreien Straße vor dem Schulgelände ebenfalls profitieren. Was auf dem neuen Campus selbstverständlich ist, bringt eine Straße weiter vielleicht Missmut und Diskussion hervor, wäre womöglich sogar Anlass öffentlichen Ärgernisses. Alteingefahrene Verhaltensmuster müssen aufgebrochen und Arbeitswege gänzlich neu geplant werden. Ja, dann ist das eben so. Genau jetzt ist die Zeit alteingefahrene Verhaltensmuster aufzugeben, umzudenken, etwas Neues auszuprobieren! Und wer weiß, vielleicht passiert es, dass man sich am Ende sogar besser damit fühlt, Fahrradfahren sogar Spaß macht und man sich fitter fühlt. „Klimaschutz geht uns alle an!“, „Jeder sollte seinen Teil beisteuern.“ so lauten die Forderungen. „Gilt für mich aber nicht.“ ist heutzutage keine akzeptable Antwort mehr.

Insgesamt würde die Einrichtung einer solchen Fahrradzone das Uni-Viertel aufwerten und zeigen, dass dort Menschen arbeiten, die fortschrittlich denken und handeln. Diese Fahrradzone einzurichten, könnte demonstrieren, dass solche Reformen wirklich willkommen sind und umgesetzt werden, weil Bedarf besteht. Die Universität und die Stadtoberen von Bonn könnten hiermit zeigen, wie sie mit gutem Vorbild voran gehen und eine klima- und fahrradfreundliche Stadt schaffen. Ganz im Zeichen des ausgerufenen Klimanotstandes.

Die Universität Bonn hat kurz vor Drucklegung eine Stellungnahme zugesandt.

Zu diesem Thema werden weitere Artikel folgen. Wir bleiben dran!

Erschienen in der BUZ 4_20