Nostalgie-Ein Erfahrungsbericht

10. Februar 2024 | Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Nostalgie, Ökologie, Susanna Allmis-Hiergeist | 0 Kommentare

Service für Gartensänger

Sie lesen einen Artikel aus dem Jahre 2014
Eigentlich sollte der Start ins eigene Leben sanfter ausfallen: Ein gerade flügge gewordener Jungvogel, überraschend klein, fein gezeichnet in braunen und hellen Tönen, liegt betäubt auf der Terrasse. Der Wind spielt mit den Daunen am Hals, die Augenlider sind bis auf einen Spalt geschlossen. Dabei hätte der Garten sein kleines Paradies werden sollen.


Susanna Allmis-Hiergeist
und Franz Hiergeist


Der milde Winter hat für ein reiches Angebot an Insekten und damit Futter für die Vogelbrut gesorgt, alte Laubhaufen und Nistplätze aus Zweig- und Baumschnitt bieten Deckung, der Rasen hat sich vorübergehend in eine Blumenwiese verwandelt und eine Tonschale dient als Vogelbad und Tränke. Und doch: ein Biotop lebt von seiner Vielfalt. Wie bei vielen Tierarten ist auch die Reproduktion der Vögel so angelegt, dass nicht der gesamte Nachwuchs durchkommt. Nesträuber wie Rabenvögel und Eichhörnchen, schlechtes Wetter, vorzeitiger Tod der Eltern und letztendlich auch der Mensch mit seinen spiegelnden Fensterscheiben verursachen Ausfälle, die nicht ganz zu vermeiden sind. Wir wollen ein paar Tipps geben, wie man dem Sängernachwuchs mit vorsorgenden Maßnahmen und erster Hilfe im Unglücksfall unter die „Flügel greifen“ kann.

Brutvögel schützen

Fressfeinde wie Katzen und Marder sind gute Kletterer. Katzen sollte man zur Zeit der Vogelbrut nicht unkontrolliert im Garten streunen lassen und ihnen den Zugang zu Bäumen mit Nestern oder Nistkästen durch geeignete Manschetten z.B. aus mit Kordeln verbundenen Flaschen erschweren. Eichhörnchen sind kaum in Schach zu halten, aber sie müssen sich ja immerhin selbst ihr Futter suchen und haben keinen häuslichen „Dosenöffner“ zur Hand.

Befinden sich gegenüber der Hausfassade Bäume, die sich in den Fenstern spiegeln, sollte man die vorgetäuschte Gartenverlängerung durch aufgeklebte Muster oder herunter gelassene Rolläden abschwächen. Die Muster sind frei wählbar, sollten aber so gestaltet sein, dass die im Spiegelbild erscheinenden trügerischen Durchschlupfe weniger als 10 cm Durchmesser haben (dies entspricht ungefähr einer davor gehaltenen Handfläche). Mit ein bisschen Knobeln können meist schon weniger als 10% Bedeckungsfläche ein vogelfreundliches Fenster sichern.

Trotz aller Vorsicht kann es sein, dass man kleine Bruchpiloten im Garten auffindet. Doch welcher Jungvogel ist wirklich hilflos? Piepsende Tierchen mit halbwegs ausgebildetem Federkleid sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus dem Nest gefallen und werden von den Eltern weiter gehütet und bei der Nahrungssuche unterstützt. Sitzt der kleine Kerl auf der Straße, kann man ihn an einen weniger gefährdeten Ort bringen. Er wird auch nach dem menschlichen Kontakt in der Regel von den Eltern angenommen. Wirklich elternlose Vögel mit z.B. einer Mischung aus Quark und feingeschnittenen harten Eiern durchzubringen ist schwierig und meist aussichtslos: Selbst wenn man es schafft, den Brei mithilfe einer Pinzette in den Sperrschnabel zu schieben, wer kann das halbstündlich leisten und sich permanent um das Vogeljunge kümmern? Im Zweifelsfall unterstützt die BUND Wildvogelhilfe Rhein-Sieg (siehe Kasten).

Was tun bei Fenstersturz?

Häufig wird bei einem senkrechten Aufprall auf die Scheibe das zarte Genick der Vögel verletzt. Ob das Tier danach eine Überlebenschance hat, merkt man schnell. Atmet es bald nicht mehr und sinkt auf die Seite, sind weitere Bemühungen kaum erfolgreich. Ansonsten hilft es, dem benommenen Vogel einen Teelöffel Wasser unter den Schnabel zu halten und auch ein bisschen davon über das Köpfchen zu gießen, sodass er sich unwillkürlich schütteln muss. Die Prozedur ein paar Mal wiederholen, wenn er weg zu dämmern droht. Wichtig ist, dass der Vogel sicher vor Katzen ist und in Kontakt zu den Eltern bleibt, die ihn nach und nach mit Lockrufen aktivieren. (Hilfsweise kann man den Verunglückten in eine Pappschachtel mit Löchern setzen und warten bis er anfängt zu flattern). Das Ganze dauert wenig mehr als 30 Minuten, dann ist der Bruchpilot wieder so weit präsent, dass er in den nächsten Baum oder Busch davon fliegt. Typischerweise ist das der Moment, in dem man mit einigen Skrupeln die Kamera in Stellung gebracht hat, um den seltenen Anblick eines Goldhähnchens oder einer Mönchsgrasmücke aus nächster Nähe einzufangen.


BUND Wildvogelhilfe,
02243 – 8473555,
www.wildvogelhilfe-rsk.de


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