Rezension

Wir können es besser

Corona durch Umweltzerstörung

Der österreichische Biologe und Gesundheitsökologe Clemens Arvay „widmet sein Buch allen Menschen, die während der COVID-19-Krise ihre Liebe zum differenzierten Denken behalten haben.“ Im Rahmen seiner evidenzbasierten gesundheitsökologischen Auswertung vermittelt er mit seinem Buch, dass das Coronavirus ein Virus unter vielen ist und nicht die einzigartige Ausnahmesituation darstellt. Er sagt, nicht der rasch entwickelte Gen-Impfstoff ist Ausweg aus der Krise, sondern ein der Natur zugewandter Lebenswandel.

Ralf Wolff

Als Biologe und freier Sach- und Fachbuchautor seit 2010 mit dem Schwerpunkt Gesundheitsökologie hat sich Clemens Arvay mit der Herkunft und dem derzeitigen wie künftigen Umgang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus type 2) – Erreger der Lungen- und Atemwegserkrankung COVID-19 beschäftigt. Die Forschung und die Patientenstudien rund um diese grippe-ähnliche Erkrankung bringt von Tag zu Tag neue Erkenntnisse hervor. Redaktionsschluss des Buchs war der 31.07.2020 (aktuellstes Abrufdatum der Zitate).

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Ihm vorangestellt ist ein Vorwort des Vorsitzenden des Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V., Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen.

In Teil 1 Corona: Krise oder Skandal? beschreibt Arvay die Herkunft des Virus von den Fledertieren über Zwischenwirte zum Menschen und ordnet das Virus epidemiologisch ein.
Teil 2 Aus COVID-19 lernen stellt Studien über die Auswirkungen der Umwelt- und Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit vor. Im Kapitel Irrweg Corona-Impfstoff erklärt Arvay, wie die Impfstoffentwicklung üblicherweise abläuft und im Vergleich dazu welche Unwägbarkeiten die beschleunigte Coronaimpfstoffentwicklung mit sich bringen kann. Die Wirkungsweise genetischer Impfstoffe skizziert er.
Teil 3 Wir können es besser befasst sich mit der Ökologischen Medizin als Ausweg. Öko-Immunologie ist hier das wichtigste Themengebiet.

In seinen Schlussbetrachtungen richtet der Autor einen Appell an die Medien. Er versteht dabei SARS-CoV-2 als ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko, aber eines von vielen und nicht das Killervirus überhaupt, wie es die meisten Leitmedien vermitteln. Zu guter Letzt gibt er Beispiele für eine gute gesundheitsökologische Praxis – was jeder tun kann, damit das SARS-CoV-2 und weitere Viren sich nicht verbreiten können.

Clemens Arvay: Wir können es besser, Quadriga Verlag

Das Arbeitsgebiet des Autors ist die Gesundheitsökologie. Nach dem Verständnis des Rezensenten befasst sie sich mit den Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Gesundheit und den vorliegenden Umwelt- und Arbeitsbedingungen. Tiere und Pflanzen tragen wesentlich zum Gesundheitszustand bei, bestenfalls wenn sie im ökologischen Gleichgewicht sind. (siehe auch Artikel Fledermausschutz links).
So setzt Arvay bekannte Krankheiten wie die Influenza, Malaria, Ebola in Relation zu der neu aufgetretenen Krankheit COVID-19 durch SARS-CoV-2.
Gerade als Gesundheitsökologe untersucht er, inwiefern Feinstaubbelastung (Mailand, Madrid,..) oder enge Arbeits- oder Wohnverhältnisse (Fleischindustrie, Textilindustrie Norditaliens mit Mitarbeiter*innen aus China) mehr Inzidenzen von COVID-19-Fällen hervorbringen als anderswo.

Arvay hat seine Aussagen mit 385 Quellenangaben belegt. Mit ihnen zeigt er den Zusammenhang zwischen den globalen ökologischen Veränderungen und der Corona-Krise auf.

Aufgrund seines holistischen Ansatzes, seiner Sichtweise auf das Große natürliche Ganze, verweist er ab und zu auf vorhergehende Sachverhalte oder meint, dass er auf bestimmte Aspekte noch genauer zu sprechen komme. Das erschwert Lesenden das Verständnis.

In der Tat ist das Verdienst des Autors, dass sein Buch auf den Wettlauf um den Impfstoff und dessen verkürzte Entwicklungsphasen ohne Wartezeiten (Teleskopierung genannt) hinweist. Genetische Impfstoffe haben das Ziel, die körpereigene Proteinbiosynthese so zu manipulieren, dass die Zellen selbst die Proteine des Virus herstellen, also SARS-CoV-2. Sorgfalt und Geduld sei hier gefragt, damit dies gelingt und Antikörper gebildet werden, so Avray. Dies heben viele weitere Rezensenten hervor. In seinem Buch erzählt er von dem Killervirus-Narrativ der Leitmedien, so denken Einige, er verstehe Corona als falschen Alarm. Das ist nach eigener Aussage nicht der Fall (siehe Seite 22) „Im Gegenteil: Es sollte nie wieder weitergehen wie bisher, aber der Grund dafür ist nicht Corona. Statt restriktiver Maßnahmen, die sich auf ein ausgewähltes Gesundheitsrisiko konzentrieren und teilweise nicht evidenzbasiert sind, benötigen wir eine angemessene Agenda der ökosozialen Gesundheitsvorsorge überhaupt. Diese bezieht Erreger wie das neue Coronavirus mit ein. Darauf zielt dieses Buch ab. Das sachliche Corona-Massenphänomen und die Korrektur von Falschmeldungen sind dabei wichtige Elemente.“

Erschienen in der BUZ 1_21