Gesellschaft,  Nachhaltigkeit,  Ökologie

Besondere Bio-Erzeuger*innen in Bonn und Umgebung

Braukunst Vorgebirge

Jürgen Huber

Wie aus einem Besuch der Verwandtschaft in Kalifornien das „Highway to Helles“ entstand. Auch die Verschwendung von Lebensmitteln genussvoll zu vermeiden, könnt ihr in dem folgenden Artikel lesen und lernen!

Der Werdegang

Als die gelernten Caterer für vegane und vegetarische Küche Hildegard und Ralf Mohr im Jahre 2015 ihren Sohn in Kalifornien besuchten, lernten sie die wunderbare Welt der Craft-Biere kennen. Sie tranken schmackhafte, aber auch grauenvolle Biere und begriffen, dass es da draußen noch etwas anderes als Kölsch, Weizen oder Alt gibt. Craft Beer wird handwerklich von meist kleinen und unabhängigen Brauereien gebraut.

So begann der „Heimbrauer“ mit seinen ersten Experimenten. Das Wegwerfen von Lebensmitteln tat dem Caterer schon immer sehr weh, und so ersetzte er einen Teil des ins Bier gehörende Malzes durch Brot. Viele Fehlschläge gab es am Anfang, nicht jedes Brot ist für Bier geeignet, und manche Bierflasche flog ihm um die Ohren. Nach dem Leidensweg zeigte sich der Erfolg am Horizont ab, das „Highway to Helles“ wurde geboren.

Ralf wäre nicht Unternehmer, wenn er die Idee einer Vermarktung nicht aktiv vorangetrieben hätte. Doch mit seinen 50 „Hobbylitern“ kam er nicht weit. Jetzt machte sich die im Vorgebirge sehr gute Vernetzung bezahlt! Lucas Zimmermann, der eine kleine „Hausbrauerei“ in Walberberg sein eigen nennt und schon seine Bierpalette innerorts verkauft, erklärte sich bereit, größere Mengen des Bieres zu brauen. Ralf unterhielt sich mit Jonathan von „Himmel un Ääd“, regionale Lebensmittel für Köln und Bonn, einem Bio-Onlineshop, der mit dem Lastenrad im Köln Bonner Raum die online bestellte Ware ausliefert. Bald war man sich einig und so konnte im Jahre 2021 die Produktion beginnen.

Das Brotbier wartet auf den Genuss

Das Bier und die Nachhaltigkeit

Statt das in Bioläden nicht verkaufte Brot „in die Tonne zu kloppen“, wird es auf den Weg Richtung Bier gebracht. Erst muss es getrocknet werden. Dann wird das Brot zerkleinert und mit Wasser, gemälzter Gerste, fruchtigem Hopfen und Hefe zu einem Bier namens „Highway to Helles“ gebraut. Im einzelnen wird heißes Wasser und geschrotetes Malz sowie das Brot im Läuterbottich bei circa 67 Grad eingemaischt. Nach etwa einer Stunde wird geläutert, die Würze läuft über den abgesetzten Treber in die Sudpfanne, in der dann die Würze gekocht wird und je nach Geschmack der zum Bier passende Hopfen dazu gegeben. Nach Kochende wird die Würze gekühlt und in einen Gärbehälter abgefüllt, dann kommt die Hefe dazu. Diese fängt an zu arbeiten, damit sich Kohlensäure und Alkohol bilden können. Nach 10 bis 14 Tagen wird es in Flaschen abgefüllt und noch einmal bis zu sechs Wochen gelagert.

Ich konnte mich persönlich davon überzeugen, es ist ein süffiges, würziges, nicht zu herbes Bier und unterscheidet sich deutlich von anderen, konventionellen Bieren.

Der Treber – Rückstand des Braumalzes – wird dann nicht entsorgt sondern weiter verarbeitet: zum Beispiel als Treberbrot, Knäckebrot, Pizzateig, getrocknet als Müsli, oder als Grundlage für süße Treberriegel oder Cookies. Somit schließt sich der kleine Kreislauf.

Moderne Gärtanks

Selber Bier brauen

Wer es einmal selber mit Bierbrauen versuchen möchte, kann dieses in der „Mohren Brauerei“ im „Braukurs für Frau und Mann“ tun.

Mit weiteren Bierliebhaber*innen lernt ihr in der kleinen „Mohren-Brauerei“, wie ihr euer eigenes Bier herstellen könnt. Nebenbei erfahrt ihr ein paar theoretische Grundlagen, dann geht es los mit dem Schroten des Malzes, Kochen der Würze und der Brauvorgang endet mit der Zugabe der Hefe in einen Gärtank. Nach ca. 8-10 Tagen trefft ihr euch zur Abfüllung, jeder Teilnehmer kann dann circa vier Liter des Selbstgebrauten mitnehmen.

Die Vernetzung

Erstaunlich finde ich den hohen Grad der Vernetzung im Vorgebirge. Dabei ist spannend, wie sich mehrere Generationen gefunden haben: Ralf als Rentner spricht mit jungen Menschen um die 20 Jahre über die Realisation eines gemeinsamen Projektes und es klappt.

https://www.braukunst-vorgebirge.de/

https://shop.himmel-un-aad.de/

https://www.zimmermann-craftbeer.de/

https://www.allerbeste-reste.de

Das Bier ist in Beuel im Bioladen MOMO, Hans Böckler Straße 1zu erhalten.

Beitragsbild: Modernes Sixpack Foto: Himmel unn Ääd