Nachhaltigkeit,  Ökologie

Bäume fallen nicht nur in der Rheinaue

Baumschutz in der Klimakrise

Das Fällen der Bäume in der Rheinaue schlägt hohe emotionale Wellen. Inzwischen ist es nicht nur zum Streit zwischen der Politik und Bürgerinitiativen gekommen. Auch die politischen Parteien untereinander haben den Kampf aufgenommen. Doch wie sieht es denn außerhalb der Rheinaue in Bonn aus. Das wird Ihnen in diesem Artikel erklärt.

Von unserem Autor Jürgen Huber

Wird über Baumfällungen in Bonn gesprochen, ist sofort das Fällen von 60 Bäumen im Bonner Rheinauenpark präsent. Diese sollten einem Radschnellweg weichen. Auf der linken Rheinseite wurde dieses Vorhaben durch die „Höhere Naturschutzbehörde der Bezirksregierung Köln“ unterbunden. Die geplante Radwegeverbreiterung in der linksrheinischen Rheinaue sei in der vorgelegten Planung naturschutzrechtlich nicht genehmigungsfähig. Doch anders sieht es, warum auch immer, auf der rechten Rheinseite aus. Hier ist immer noch geplant, 27 Bäume für die Verbreiterung des Radweges zu fällen. Grundsätzlich gehört nach der Meinung vieler Bürger*innen ein Radschnellweg nicht in einen Freizeit- und Erholungspark! Der Radschnellweg ist Teil des Programms „Emissionsfreie Innenstadt“ und wird vom Land mit mehreren Millionen Euro gefördert. Es sei die Frage erlaubt, warum Bäume, die CO₂ verarbeiten, gefällt werden müssen, um einen Radweg zur Vermeidung von CO₂ durch Umstieg der Autofahrenden aufs Rad zu bauen. Die Argumentation, dass ja eine Ersatzpflanzung erfolgt, ist halbherzig, denn um einen gestandenen und altehrwürdigen Baum zu ersetzen, bedarf es mehr als eines jungen Baumes. Abgesehen davon, dass er irgendwo gepflanzt werden kann. Gegen die notwendige Instandsetzung von Radwegen ist nichts einzuwenden, aber was hier geplant ist, kann eindeutig als unverhältnismäßig bezeichnet werden. Zum einen kann von einem Radfahrenden verlangt werden, die Bäume sportlich zu umfahren. Zum anderen gibt es alternative Routen. So könnte zum Beispiel die parallel verlaufende und nur wenige Meter entfernte Elsa-Brandström-Straße zur Fahrradstraße umgewidmet werden. Radwegbahnen auf dem benachbarten Landgrabenweg sind verkehrstechnisch, klimatisch und für den Schutz der Bäume sinnvoller.

Nutzen der Bäume

Betrachten wir die Bedeutung der Bäume im aktuell sicht- und fühlbaren Klimawandel. Sie reinigen die Luft von Staub, bieten kühlen Schatten und ihr Wurzelwerk verhindert die Abtragung von Boden bei Starkregenereignissen. Mittels Photo-synthese wird das vom Baum aufgenommene CO₂ in Kohlenstoff und in wertvollen Sauerstoff umgewandelt, den er wieder in die Luft abgibt.

Weitere Gründe für das Fällen von Bäumen

Aber nicht nur in der Rheinaue fallen Bäume, immer wieder stehen diese den unterschiedlichsten Vorhaben im Wege. So werden riesige, altehrwürdige Bäume vor dem alten Friedhof in Bonn gefällt, um die Eisenbahnunterführung in Höhe der Thomasstraße zu verbessern. Dieser bereits vorhandene Durchgang für Fußgängerinnen und Radfahrerinnen soll verbreitert und barrierefrei ausgebaut werden. Die Installation einer breiten Rampe beansprucht den bisherigen Platz der Bäume.
Auch bei der Deutschen Bahn kommen immer wieder Kettensägen zum Einsatz, um Bäume entlang der Strecke zu fällen. Dieses fand vor kurzem entlang der Bahnstrecke zwischen Bonn und Bad Godesberg statt. Dieses gehöre zur regulären Vegetationspflege zwischen Oktober und Februar. Hier ist der Sicherheitsfaktor mitzubedenken, denn ein auf die Strecke fallender Baum kann verheerende Folgen haben. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, muss in einem Bereich von sechs Metern beidseitig des Gleises die Vegetation entfernt werden, so die Deutsche Bahn.
Noch nicht beachtet wurden die Bäume, die durch die Hitzesommer der vergangenen Jahre dem Klimawandel zum Opfer fielen. Nicht immer direkt, die Bäume werden geschwächt und somit sehr anfällig für Schädlingsbefall. So sind laut Angaben der Verwaltung aus dem Jahre 2021 mehr als 600 Kiefern und etwa 200 Buchen von der Klimakrise betroffen. Und das nur in den städtischen Wäldern. Seriöse Zahlen zu den „Stadtbäumen“ kann die Stadt Bonn nicht geben.

Fazit

In einer Zeit, wo bei Baumfällungen die Emotionen hoch schlagen, muss das Fällen der Bäume mit großem Augenmaß geschehen. Fakt ist, dass wir Wohnraum, bessere Radwege und vernünftige Wege für Behinderte benötigen. Ebenso Fakt ist es, dass der Ausbau der Eisenbahn dringend notwendig ist. Das alles auf einen vernünftigen Nenner zu bringen, ist ein Drahtseilakt. Wir werden nicht umhin kommen, auch für Wohnungen einige Bäume zu opfern. Hier wäre ein für Bonn verbindlicher, mit allen Bürger*innen abgesprochener Plan zu empfehlen, der dann konsequent eingehalten wird.

Erschienen in BUZ 2_22.